01.09.2024

SOF 2024 - Geländevorstellung: Geheimnisvolles Leupoldishain

von Michael Möser

Vorwort: Die DM Lang und der D-Cup finden in Leupoldishain statt, einem Vorort der Stadt Königstein (Sächsische Schweiz). Vielen Menschen in der Umgebung bis hin ins 45 Autominuten entfernte Dresden ist Leupoldishain als Ort bekannt, wo zu DDR-Zeiten Uran von der Wismut abgebaut wurde. Nach der Wende ab 1990 wurde der Bergbau stillgelegt und umfangreiche, teils kontrovers diskutierte Maßnahmen ergriffen, damit weitere Umweltschäden vermieden werden können. Aber auch der Orientierungslauf hat seit den 1970er Jahren eine Historie in der Gegend, wie der Bericht von Michael Möser zeigt, dem wir die ersten Karten und Wettkämpfe im heutigen Gelände zu verdanken haben:

„Nachdem Jan Lunze und ich 1977 für die traditionelle TU-Frühlingsstaffel die Lohmener Klamm aufgenommen hatten, fand Jan linkselbisch in Leupoldishain ein Felsgebiet für die 20. Auflage der Staffel, was ziemlich unbekannt war, denn über die Wälder (Lüftungsschächte) und was unter den Felsen war, gab es verschiedene Gerüchte.

1961 begann die Wismut mit Erkundungsarbeiten im Bereich der sächsischen Elbtal-Kreideformation. Ab 1967 wurde hier der konventionelle Uranerzabbau betrieben. Eine Fläche von ca. 6 km² wurde erschlossen und im Bereich der Ortschaften Königstein – Bielatal – Langenhennersdorf abgebaut. Der in unmittelbarer Nähe der Hauptschächte liegende Ort Leupoldishain wurde nahezu vollständig unterbaut (Quelle: Wikipedia).

Wir waren etwas überrascht, dass wir in so einem geheimen Gelände eine (sehr genaue) OL-Karte herstellen durften. Im August 1977 erhielten wir vom Volkspolizei-Kreisamt Pirna die „generelle Zustimmung für die Durchführung eines Orientierungslaufes“. Danach begannen wir mit der Kartenaufnahme: Messtischblatt 1:10 000, darauf eine Folie, Aufnahmesignaturen für die Flächen und Objekte, Bleistift, Schrittmaß und Kompass. Nach 300 Stunden im Gelände zeichnete Jan bis Frühjahr 79 die Karten „Labyrinth“ und „Nikolsdorfer Wände“, letztere erstmalig für einen Musterlauf. Ende April sollten dann die 20. TU-Frühlingsstaffel und ein Ranglistenlauf stattfinden. Ein Monat vorher musste beim Ministerium des Inneren (MdI) die Druckgenehmigungs-Nummer eingeholt werden - auf der Musterkarte links unten (DI 8/79). Das MdI war zuständig für die Genehmigung der Herausgabe von Karten. Ohne diese Nummer durfte keine Druckerei Karten drucken. Wir erhielten plötzlich doch keine Genehmigung, mit der Begründung, dass in diesem (nicht gesperrten) Gelände keine Sportveranstaltung durchgeführt werden kann.

Durch verschiedene Beziehungen zum MdI konnten wir dann 2 Wochen vorher mit dem Karten- und Bahndruck beginnen, mit der Maßgabe, die Karten einzusammeln und sofort zu vernichten – dies hat aber keiner kontrolliert oder gezählt. 820 Läufer, auch aus der CSSR, Ungarn und Polen und rund 200 Staffeln waren am Start. Sicher werden diese Karten bei dem einen oder der anderen noch im Archiv sein.

1992 habe ich dann noch für die deutsche National-Mannschaft auf dem Weg zum Weltcup nach Tschechien ein Training organisiert - immer noch geheim.
Nachwort: Man sieht also, dass Genehmigungen und Freigaben auch in anderen Zeiten unter anderen Vorzeichen als heute durch gute Beziehungen zu den Behörden unterstützt werden können. Das Gelände geriet dann etwas aus dem Fokus, da man so viele neue Wälder erschließen konnte in den 1990er Jahren. Erst im 2. Jahrzehnt des neuen Jahrtausends kam wieder die Idee auf, das Gelände zu nutzen. Aber das ist eine andere Geschichte mit einer anderen Karte und wird noch erzählt werden…“

    Anmeldung DM Lang - Karte Musterlauf 1979