10.03.2026

Warschau City Race oder: In Polen mit Tschech*innen

von Wieland Kundisch

Die City Race Eurotour steht beim OL seit geraumer Zeit für eine jährliche OL-Serie in eher großen europäischen Städten. Die meisten von ihnen sind relativ gut per Flieger erreichbar, wenn man wie ich etwas umweltfreundlicher mit Bus und Bahn unterwegs sein will, wird die Auswahl deutlich kleiner.
Nach Graz letzten Sommer lief ich im Februar spontan mit Freunden ein einzelnes regionales City Race in Usti. Gute Vorbereitung für das Wochenende in Warschau.

Das Programm des Warsaw City Race versprach Spannung, die es hielt: ein langer Nachtsprint, ein langer Altstadt-OL (die offizielle City Race-Etappe), ein für einige zeitlich langer Indoor-OL in 2(!) Unigebäuden (nicht so groß, aber wohl kaum minder knifflig als vor 2 Jahren bei uns im Schumann-Bau) sowie ein langer, abschließender Mittel-Stadt-OL mit künstlichen Sperren.
Cornelia Eckhardt und Susanne Löhning nahmen neben mir als USV-Mitglieder teil.
Conny gewann trotz Sturz zu Beginn des Nachtsprints auf beide Knie insgesamt die Supervet W (Damen 55+). Susi hatte viel Freude und erreichte bei ihrem 2. Indoor-OL nach Belgien erfolgreich das Ziel, nur "riss" sie wie sehr viele die Maximalzeit (bei den "Hyperveteranen" waren es fast alle - Erfahrungswerte für die Veranstalter).
Und ich lief ziemlich zufriedene und sehr schöne Stadt-OL in der Elite, nur fühlte ich mich beim Indoor-OL teils überfordert, machte Fehler - bis hin zu einem Fehlstempel. Ich blendete wegen kleiner Eingangstreppe ins 2. Haus die 0. Ebene aus, orientierte eine höher und lochte 2 Posten an gleicher Stelle, nur eben eine Ebene zu weit unten (Merke: Codezahlen kontrollieren). Und da ich den 3. Posten in dem Haus erst eine Weile nicht verstand und fand, weil er eben nicht innen, sondern außerhalb dessen, aber in einer Vertiefung stand, fiel mir das beim Ablauf auch nicht auf. So verschachtelt wie den letzten Satz kann man sich das Orientieren beim Indoor-OL vorstellen. :-) Hinzu kamen die vielen Leute, die kreuz und quer liefen und standen und knobelten. Ein cooles Erlebnis war es allemal.
Die Bahnen des Wochenendes waren top, die Karten gut mit kleinen Einschränkungen bei der Altstadtkarte, die zu Erkennungsschwierigkeiten führten. Die Organisation war super. Und wir hatten sonniges Frühlingswetter.

Ich konstatiere: OL gliedert sich, ist mit urbanem, gar Indoor-OL breiter als früher aufgestellt, der nicht für jedermann und jedefrau was sein mag, aber als O-Komponente ein komplexes Kartenlesen und -verstehen in mehreren Ebenen , Vorplanen und Routenausführung abverlangt.

Und eigentlich waren wieder die Menschen, bekannte und neue und organisierende das Wunderbarste.
Ich wollte mehr Stadt sehen, aber dafür blieb nicht viel Zeit bzw. waren wir auch erschöpft. Dafür sprachen, scherzten, aßen wir gemeinsam.
Meine zum Großteil tschechische Reisegruppe war besonders beim Uni-Indoor-OL gut, wohl weil sie über das Studium in Prag anfangs über Stadt-OL zu unserem Sport gefunden hat - und dafür noch nicht/kaum die OL-Ur- und -Hauptsparte Wald kennt. Am Ende wurde eine tschechische Freundin in der Elite schließlich Dritte, obwohl sie in ihrer Heimat "immer nur Letzte" würde.
Und mit einem jungen Weißrussen teilte ich mein Leid von zumindest einem Posten, den wir in der falschen Etage anliefen. Als wir verstanden, wo wir gewesen waren, gaben wir uns zum Abschied die Hand.

Vielleicht hat Stadt-OL mehr Zukunft, als manchem lieb ist: Nils Schmiedeberg aus Neubrandenburg zeigte mir Karten verwinkelter spanischer Bergdörfer - die Waldbrände gingen bis zu den Hecken der Grundstücke heran, erzählte er.
In München folgt im April ein City Race-Wochenende, allerdings parallel zur SM Sprint in Meißen und unserem KO-Sprint in Annaberg.
Wie wäre es mit einem City Race in Dresden?! Radebeul übernimmt eine Etappe, das "klärten" wir schon vor Ort. ;-)
Ein Vorteil in Warschau waren die Fußgängerüberwege, die kontrollierte Passagen für die Läufer/innen bildeten. Für Kinder, andere Neulinge und selbst Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist Stadt-OL vielleicht trotz einzelner Gefahrenstellen geeigneter als manch Wald-OL. Nur den Asphalt merken alle wohl länger in den Beinen als weichen Waldboden.

    Veranstalterseite (Ergebnisse, Fotos, Karten) - eigene Fotos - Warschau Anfang der 40er