12.05.2026

Ellen Klüser siegt bei der Deutschen Meisterschaft Mittel in Kassel

von Kay-Uwe Kaufmann

Manchmal lässt sich die Geschichte eines OL-Wochenendes wie dieses Mal auch durch eine Überschrift gut beschreiben, trotzdem gibt es wie Immer nach drei attraktiven und niveauvollen Wettkamptagen viel zu berichten. Die Wettkampfsaison 2026 bot nach einigen schönen, regionalen Läufen mit der Deutschen Meisterschaft Mittel-OL in Kassel den ersten nationalen Höhepunkt, flankiert von zwei Sprint-Läufen.
Am Freitag eröffnete der SC Helsa mit einem Lauf der deutschen Parktour im kasseler Wohngebiet Marbachshöhe den Reigen. Pünktlich zum Start am Nachmittag zeigte sich nach einer teils verregneten Woche die Sonne und läutete auch wettertechnisch ein tolles Wochenende mit milden, aber noch sehr angenehmen Temperaturen ein. Die Hanglage des Wettkampfgebietes, die vom gastgebenden Ski-Club Helsa angekündigt war, erwies sich als nicht alpin, sondern als bequeme Sonnenterasse. Man konnte sehr gut Tempo machen und damit dem schönen und Fokus erfordernden Charakter der Bahnen von Leon Kollenbach die Ehre erweisen. Die Organisation rund um die Bundeswehrfachschule war klein und fein, alles lief perfekt ab. Ellen Klüser und Paula Starke mussten sich in der Damen-Elite nur Birte Friedrichs vom MTV Seesen geschlagen geben. Wieland Kundisch konnte sich in der H35 gut durchsetzen und Matthias Jamet über Platz 2 in H45 freuen. Birgit Buhler sicherte sich Platz 3 in D65.
Am Samstag wechselten wir parkplatztechnisch von der Bundes- zur Feuerwehr und die Organisation zum OSC Kassel. Der lange Weg zum WKZ mitten im Habichtswald wurde durch einen wunderschönen Frühlingstag begleitet. Die Wiese in wirklicher Hanglage direkt neben dem Hilla, einem Erholungs-Haus in grüner Lage, bot genügend Platz für ca. 700 Wettkämpfer und mit ihrer feuchten und naturbelassenen Beschaffenheit einen guten Vorgeschmack auf das Laufgebiet. In der Geländebeschreibung war von überwiegend alten und gut belaufbaren Buchenwäldern die Rede, was bei vielen Wettkämpfern wahrscheinlich nicht wirklich mit den Erinnerungen an das Bundesranglistenlauf-Wochenende von 2023 übereinstimmte. Aber zumindest den belgischen Sprint-Europameister Yannick Michels als Teilnehmer des World Ranking Events dazu veranlasste, sich in luftiger Sprint-Kleidung in den Wettkampf zu stürzen. In der Realität war der Boden unter den schönen, frisch grünen Buchen mit kleinen Steinen und einigen querliegenden Bäumen versetzt, die durch die Feuchtigkeit aus der vergangenen Woche auch noch schön schmierig waren. Auch für die Abschnitte mit viel Laufbehinderung waren das richtige Mindset und passendes Schuhwerk von Vorteil. Insgesamt also eher ruppig und die Anforderungen an die Wettkampfhärte erhöhend. Die tolle Bahnlegung von Hendrik Holzhauer ließ den kompletten Charakter mit seiner Steilheit, den Felsen und den kleinen Details zum Tragen kommen und forderte Physis und Kartengeschick von Jedem. Die lange Zielpflichtstrecke an der Wiese hin zur Streuobst-Idylle vor dem Hilla ließ jeden Gedanken an saubere Schuhe obsolet werden. Es gab verschiedene Techniken des Umgangs mit dem Schlamm zu bewundern, aber die am Ende startenden Elite-Läufer*innen zeigten den Zuschauern, wie die Physik bergab bei hoher Geschwindigkeit wirkt und man auch über den Untergrund scheinbar fliegen konnte.
Das herausragende sportliche Ergebnis aus TU-Sicht wurde schon in der Überschrift vorweggenommen. Die Damen-Elite bot viele TU-Starterinnen und noch mehr gute Läufe einer vollen Startliste. Ellen Klüser ließ der versammelten nationalen Konkurrenz keine Chance. Sie war schon an den Funkposten in Führung und baute ihren Vorsprung auf drei Minuten im Ziel aus. Damit krönte sie ihre beeindruckende sportliche Entwicklung der letzten Jahre mit ihrem ersten nationalen Einzel-Titel im Elite-Bereich und ließ sich zu Recht von allen Seiten feiern! Kerstin Uiboupin auf Platz 7, Anna Reinhardt auf Platz 9 und Paula Starke auf Platz 10 rundeten den starken Auftritt der TU-Damen ab. Bei den Elite-Herren gelang Konstantin Kunckel kein perfekter Lauf, aber Platz 6 ist im starken Feld ein hervorragendes Ergebnis. Anatoly Zelenin durfte sich über Platz 14 freuen und Marek Siegert meldete sich mit Platz 16 in der Saison an. Den zweiten Höhepunkt für unseren Verein lieferte der unermüdliche Wieland Kundisch, der in der H40 einen für die Mittel-Strecke unglaublichen Vorsprung von sechs Minuten herauslief. Vereinskollege Tomi Kääriäinen konnte sich trotz des Rückstandes über die Bronzemedaille freuen, so dass diese Altersklasse ziemlich fest in TU-Hand war. Lotta Kääriäinen versilberte die Medaillensammlung mit Platz 2 in D12. Die gleiche Medaillenfarbe sicherte sich Heike Leideck in der D60, während Birgit Buhler in der D65 eine Bronzemedaille feiern konnte. Die Nummern drei bis fünf der Siege für den USV TU Dresden gingen an Kurt Jobke, Diethard Kundisch und Helmut Conrad, die jeweils souverän die H12, die H70 bzw. die H80 gewinnen konnten und die beeindruckende Altersspanne von höchsten sportlichen Leistungen in unserer Sportart zeigen konnten.
Der Sonntag führte den OL-Tross dann ins Baunatal, in der Wirklichkeit ein ziemlich schnöder Industrieort, aber mit einem klassischen Fußballstadion mit Flutlichtmasten und Leichtathletik-Bahn als perfektem Wettkampfzentrum für den BRL Sprint. Der danebengelegene Stadtpark ließ ein flaches Gelände mit schnellen, eher einfachen Bahnen erwarten, aber natürlich erwarteten viele Leute von Bahnleger Bojan Blumenstein die eine oder andere Überraschung aus dem Kasten der modernen Sprint-Bahnlegung. Und diese Erwartungshaltung wurde voll erfüllt!
Der Weg zum Start führte an den Nordrand des Stadtparkes, mit einigen Höhenmetern zum Einlaufen und der Weg am Start mit absteigender Tendenz ließ einen schnellen Beginn runter in den Stadtpark erwarten. Nach einer nicht einsehbaren 90-Grad-Kurve sah man sich plötzlich einer wirklichen Hanglage gegenüber, in Form eines kleinen, terrassenartig angelegten Wohngebietes ohne Autos, dafür aber mit verwinkelten Pfaden und sogar einer Mehr-Ebenen-Situation auf den längeren Bahnen. Es war also sofort höchste Konzentration gefordert! Nach diesem hoch spannenden Auftakt ging es tatsächlich runter in den Stadtpark, mit Routenwahlen und Voll-Speed-Passagen. Im letzten Drittel gab es im Übergang zum Trainingsplatz des Parkstadions ein kleines künstliches Labyrinth und kurze Postenabstände, bei denen jede(r) beweisen konnte, dass er/sie noch frisch im Kopf ist. Wer Zeit zum Vorplanen gefunden hatte, wusste auch, dass der Kunstrasen-Trainingsplatz ebenfalls mit Absperrungen versehen war, die noch mal hohe Konzentration beim Erkennen und Laufen der richtigen Route durch das Gewirr erforderten. Als Abschluss gab es nach dem Einlaufen durch einen Tunnel im Stadion einen 150m-Sprint ins Ziel. Ellen Klüser bestätigte ihre herausragende Form und wies die zahlreiche, schnelle Konkurrenz wieder in die Schranken. Auch Wieland Kundisch konnte sich in der BRL-Klasse H35 der etwas jüngeren Läufer erwehren und siegte mit geringfügig geringerem Abstand, nämlich 20 Sekunden. Konstantin Kunckel zeigte mit einem hervorragenden dritten Platz in der Herren-Elite, dass die Form stimmt. Er musste sich nur den beiden Sprint-Spezialisten Yannick Michiels aus Belgien und Timon Lorenz von der OLG Regensburg knapp geschlagen geben. In der H12 lagen die ersten vier Läufer innerhalb von 11 Sekunden, aber die Spitze ließ sich Kurt Jobke auch dieses Mal nicht nehmen. Friedmar Richter ließ seine Sprint-Qualitäten mit Platz 3 in der H45 aufblitzen. Birgit Buhler rundete ihr erfolgreiches Wochenende mit Platz 2 in der D65 ab, ebenso wie Helmut Conrad in der H80.
Insgesamt durften wir ein würdiges Meisterschafts-Wochenende erleben, welches hervorragend organisiert war und mit viel Sonne für schöne Erinnerungen sorgen sollte!

    Fotos - Ergebnisse DM Mittel - Ergebnisse BRL/WRE Sprint - Fotos Ausrichter - Dickichtgeflüster mit Ellen