28.05.2026

Meisterschafts-Triple in Bad Harzburg: Viel Sonne, aber auch Schatten

von Friedmar Richter

Das verlängerte Pfingstwochenende lockte über 600 OLer nach Bad Harzburg. Da aufgrund der Brut- und Setzzeit die Harzer Wälder für den Orientierungslauf gesperrt waren, wurde es ein reines Sprintwochenende. Neben den Disziplinen der DM Sprint- und Sprintstaffel-OL sollten dort erstmalig auch die Deutschen Meister und Meisterinnen im KO-Sprint gekürt werden.

Der Samstag begann mit den Vorläufen, die sowohl als Qualifikation für das DM-Sprint-Finale als auch für das KO-Sprint-Halbfinale dienten. Die Bahnen im Harzburger Stadtteil Bündheim waren größtenteils läuferisch geprägt, mit dem Ziel im Pferdegestüt, das auch als Wettkampfzentrum diente.
Am Sonntagmorgen folgte dann die erste Meisterschaftsentscheidung im Einzelsprint im knapp 20 km entfernten, sehr hübschen Fachwerkstädtchen Osterwieck. Durch das unregelmäßige Straßennetz, mehrere künstliche Sperren und auch die eine oder andere Einschränkung durch Baustellen war der Orientierungsanspruch höher als noch im Vorlauf. USV-Mitglied und Nationalkader Konstantin Kunckel konnte hier einen starken zweiten Platz bei den Eliteherren erlaufen. Ebenfalls auf Platz 2 schafften es Cornelia Eckardt (D55) und Helmut Conrad (H80). Dritte Plätze gab es für Karl Jobke (H18), Friedmar Richter (H45), Sonnhild Grismajer (D45) und ihre Tochter Adele (D12, keine offizielle Meisterschaftsklasse) zu feiern.

Viel Zeit zum Verschnaufen blieb nicht allen. Für diejenigen, die sich im Vorlauf für das Halbfinale der DM KO-Sprint qualifiziert hatten (aus zeitlichen und organisatorischen Gründen nur für die Klassen D/H-18 und D/H-Elite im Programm), starteten die Rennen bereits am Nachmittag wieder im vom Vortag bekannten Gestüt in Bad Harzburg. Auch alle anderen waren eingeladen, vor Ort als Zuschauer mitzufiebern und für heiße Stimmung an diesem warmen Tag zu sorgen. Das klappte recht gut, da man die Bahnen von mehreren Punkten im Gelände gut einsehen konnte und alle Athleten zudem mit GPS-Trackern ausgerüstet waren, deren Positionen man live auf dem Handy verfolgen konnte. Um das teils schon aus den Vorläufen bekannte Gelände orientierungstechnisch aufzuwerten, wurden vom Bahnleger wieder mehrere neue, künstliche Sperren installiert und zusätzlich Bereiche im Gestüt geöffnet, die vorher unzugänglich waren.

Mit jeweils sechs gleichzeitig startenden Läufern boten die Halbfinals einiges an Drama mit taktischen Spielereien, Gruppendynamik und allerhand Führungswechseln. Für das Finale konnten sich die jeweils zwei oder drei Besten der Halbfinals qualifizieren. Dafür gab es ein direkt zu Beginn der Bahn aufgebautes, kleines Labyrinth als Überraschung für die Teilnehmer, gefolgt von zwei Routenwahlen und einigen kurzen Postenverbindungen zum Schluss. Mit Raphael und Konstantin Kunckel waren zwei TU-OLer für das Finale qualifiziert, konnten aber nicht ganz in die Medaillenvergabe eingreifen. Die Siegerehrungen der DM Sprint zwischen dem KO-Sprint-Halbfinale und dem Finale machten den Abend zu einem gut gefüllten Programm.

Die letzte Meisterschaftsentscheidung gab es schließlich mit der DM Sprintstaffel am Pfingstmontag, diesmal im niedersächsischen Hornburg. Auch hier prägten Fachwerkbauten das Stadtbild, doch im Gegensatz zu Osterwieck galt es gleich zu Beginn der Bahnen auch einige Höhenmeter zu absolvieren. Mit Platz 1 in der Klasse D/H135-T und zwei zweiten Plätzen in der D/H-16T und D/H19-T konnten wir hier gut an der Spitze mitmischen. Als besonderes Highlight hatten der Pfarrer der örtlichen Kirche und die Ausrichter des MTK Bad Harzburg einen Posten direkt im Kirchenschiff plaziert. Eine schnelle Möglichkeit für ein gutes Staffelergebnis zu beten, wenn der Lauf nicht so gut lief ;)

Für allerhand Diskussionen und Gesprächsstoff sorgten an dem Wochenende zum Teil unklare Passierbarkeiten auf entscheidenden Routenwahlen im DM-Einzelfinale sowie viele Sackgassenposten mit Kollisionsgefahr und ein Nadelöhr gleich zu Beginn des Sprintstaffel-Massenstarts. Mehr Raum für Anspruch und Spannung hätte zudem eine ausgeprägtere Gabelung der Sprintstaffelbahnen geboten. Das ist ein wenig schade, denn das Potenzial war riesig: Die ausgewählten Gelände waren fantastisch, das Wetter hätte nicht besser mitspielen können und die sportlichen Leistungen waren absolut meisterschaftswürdig.
Trotz aller Kritik möchten wir dem Organisationsteam einen herzlichen Dank aussprechen – für den Mut, neue Formate wie den KO-Sprint anzupacken und die kreative Lösung ein sehr abwechslungsreiches Sprintwochenende aus dem Waldverbot zu machen.

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